12 Das Beste hielt möbel badezimmer Designideen

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Von kurzer Dauer nachher dem Finale des Zweiten Weltkriegs sitzt jener Heimkehrer Hans Schnitzler, jener Held in Heinrich Bölls Roman “Welcher Engel schwieg” aus den Jahren 1949/50, gen den Trümmern einer Kölner Badeanstalt. Um ihn herum liegt die Welt in Ruinen. Manche von ihnen sind so kühl, “denn hinge jener Puste jener Sprengsatz noch in jener Luft”. Basta anderen Ruinen wachsen schon Kraut und sogar kleine Bäume. Doch einer Menge von Gegenständen scheint die nahezu vollständige Zerstörung jener Stadt nichts ausgemacht zu nach sich ziehen: den Kacheln. Dort, wo sie erhalten waren, in mehr oder minder großen Flächen, hatte sie jener Regen jener Tage zuvor “ganz sauber gewaschen”. “Sie strahlten im Sonnenschein”, findet Hans Schnitzler, und “glänzten in Unschuld”. So eindrucksvoll scheint ihr Prunk nicht nur zu Händen den ehemaligen Soldaten, sondern wenn schon zu Händen dessen Zeitgenossen gewesen zu sein, dass die Kachel zu einem jener beliebtesten Materialien im Wiederaufbau Deutschlands wurde. Welcher Roman blieb einst unveröffentlicht, weil jener Verlagshaus keine Geschichten mehr drucken wollte, die von Krieg und Rückkehr handelten. Er erschien erst im Jahr 1992. Die Kachel gleichwohl machte Karriere.

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Köln wurde nachher dem Krieg zur Metropole jener Kachel – dies Kunstwerk “Liebe deine Stadt” gen jener “Nord-Süd-Reise” stammt vom Künstler Zwergfalke Käfig aus dem Jahr 2007.

Zwar währte ihre große Zeit nicht nachhaltig: von den späten Vierzigern solange bis in die frühen Sechziger. Während dieser Periode gleichwohl wucherte dies Kachelwesen hoch dies traditionell ihr zugehörige Territorium, hoch die Badezimmer, die Operationsräume und die Labors hinaus, um den westdeutschen Innenstädten den Typ sanitärer Anlagen oder Schwimmbecken zu verleihen. Zahllos sind die mit einfachsten Mitteln erbauten mehrstöckigen Häuser in den deutschen Städten, an deren schlichtem Oberbau und niedrigen Geschosshöhen man nicht nur den Rationalismus jener mittleren Moderne erkennt, sondern wenn schon die Not, in kurzer Zeit und mit wenig Geld sehr viel Wohnraum schaffen zu zu tun sein. “Ob man nachher Hamburg kommt oder nachher Düsseldorf, nachher Stuttgart oder Frankfurt/Oder”, heißt es in einer Reklameschrift jener Zeit, “in allen aus den Ruinen wiedererstandenen deutschen Städten beleben Beläge aus Mittel- oder Kleinmosaik dies Gemälde jener Straßen, wohltuend erhellend im düsteren und grauen Norden, strahlend in jener Sonne des Südens.” Allem Prunk zum Widerwille: “Graue Baustil” nennt jener Kultur- und Medienwissenschaftler Markus Krajewski solche Bauweise in einem kleinen Buch hoch die Kacheln jener frühen Jahre, dies, ergänzt um Bilder des Krapfen Fotografen Christian Werner, Finale dieses Monats im Alfred Kröner Verlagshaus erscheinen wird. “Mausgrau” soll die Baustil wenn schon heißen, weil sie von anonymen Baumeistern geschaffen wurde und ihre Bewohner in Anonymität verbirgt.

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War es vor dem Krieg weit verbreitet gewesen, dass zum Denkweise Metzgereien ihre Räume mit Kacheln verkleideten, denn praktisches Symbol ihrer hygienischen Ansprüche, so wanderten die Kacheln nun vom Parterre hinauf solange bis unter die Dachrinne. Mit ihnen wurde jener Nassraum nachher äußerlich gewendet, pflegeleicht und nahezu unzerstörbar. Dasjenige geschah nicht nur in Weiß, sondern wenn schon in Hellblau, in Rehbraun und in Rosa, manchmal in tonisieren Erdfarben und, wogegen sehr selten, sogar in Schwarz. Verkachelt wurde vor allem oft im Westen jener Republik, in Frankfurt/Oder und Umgebung, im Rheinland und im Ruhrgebiet. Warum es unbedingt dort geschah, ist schwierig zu ermitteln: Es mag daran liegen, dass die Städte dort vor allem stark zerstört worden waren, gleichwohl wenn schon daran, dass sich viel keramische Industrie in jener Nähe befand – zu Händen Köln etwa gab es die Ludwig-Wessel-Werke in Bonn. Kamen jedenfalls tausend Krauts noch von kurzer Dauer vor dem Zweiten Weltkrieg mit 67 Quadratmetern Wandfliesen pro Jahr aus, sagt die Statistik, brauchten sie Zentrum jener Fünfziger hoch 200 Quadratmeter, und ein großer Teil davon wurde zu Händen die Wandbekleidung von Fassaden nicht jungfräulich. Im Jahr 1956 wurden, so teilte einst jener Verein jener deutschen Fliesenindustrie mit, mehr denn elf Mio. Quadratmeter Wandfliesen hergestellt, vier Mio. mehr denn nur drei Jahre zuvor – und dies, obwohl Kieselkratzputz offensichtlich billiger war.

Rinnen oder Kacheln sind eine jener ältesten Erfindungen jener Menschheit gar. Sie lassen sich solange bis in die Zeiten jener assyrischen, persischen und babylonischen Reiche zurückverfolgen, etwa zum Ischtar-Treffer in Babylon, zu sehen im Pergamonmuseum in Hauptstadt von Deutschland. Von den alten Reichen tradiert sich solche Kunst in die Zeiten des Islam und verbreitet sich im mediterranen Raum – im spanischen Mallorca entsteht ein Hauptumschlagplatz (“Majolika”), im italienischen Faenza eine bedeutende Produktionsstätte (“Fayencen”). Die Hochzeit jener Platte in Mitteleuropa schließlich beginnt mit dem Besteigung jener Niederlande zur dominierenden Handelsmacht im 17. Jahrhundert. Und von dort wandert sie, immer an den Wasserwegen und Küsten weiter, in den gesamten nordeuropäischen Raum, womit sich ihre Verwendung zusammen von äußerlich nachher medial verschiebt, vom Fassadenschmuck zu den Innenwänden – und zu den Öfen, des Feuerschutzes wegen. Dasjenige Wort Kachel, sagen deswegen manche Fachleute, gehöre gleichsam zum Ofenbau und werde nur umgangssprachlich zu Händen dies verwendet, welches richtiger “Platte” heiße. Im Kontrast dazu solche Trennung ist umstritten. Andere reden im Rahmen Wand- und Fußbodenplatten aus Fayence von “Rinnen”, während sie solche aus Steingut denn “Kacheln” bezeichnen. Sie suchen den Unterschied ergo in jener Glasur – Zinn- oder Bleiglasur ist da die Frage. In einigen Fachpublikationen wird nachher dem Werkstoff unterschieden: Steinzeug mit einem geringeren Quotient an Quarz soll “Platte” heißen, während Steingut mit einem höheren Quotient an Quarz (und einem hohen Quotient an Kaolin) die “Kachel” zusammenfügen soll. Und schließlich gibt es Spezialisten, die weder nachher Glasur noch nachher Werkstoff, sondern nachher Form unterscheiden: Zum Besten von sie ist die “Platte” immer seicht, während die Kachel Erhebungen kennt. Es sei von dort gestattet, die beiden Wörter synonym zu verwenden. Thomas Steinfeld

Mit Kacheln entstehen einfache, kontrollierbare Oberflächen, in handlichen, gleichwohl ins Unendliche erweiterbaren Flächen aus kleinen Quadraten in streng geometrischer Ausrichtung. Sie versiegeln nicht nur die Mauern, gen die sie gesetzt werden, sondern wenn schon die Zeit. Sie sind porenfrei. Sie altern nicht. Sie behalten ihre streng glänzende Oberfläche. Deswegen gibt es in Deutschland noch heute Zehntausende verkachelter Häuser, Zeugen einer jener bizarrsten Moden, die es je im Bauwesen gegeben nach sich ziehen dürfte und die bevorstehend nachher ihrem Vergehen monströs wirkte: Eine “Wirklichkeit, die heute ganz entsetzt”, nannte Hiltrud Kier, später Stadtkonservatorin in Köln, schon im Jahr 1976 solche Baustil. Dieserfalls hatte die verkachelte Fassade nur ein paar Jahre zuvor denn “Fachausdruck jener Sauberkeit und Kultiviertheit” gegolten, wie Wilfriede Holzbach, Autorin des in den Fünfzigern beliebten “Rinnen-Taschenbuchs”, mitgeteilt hatte. Und war es nicht die mit platter Reifen aus Waschbeton verkleidete Wand, die dann an die Stelle jener verkachelten Fassade rückte?

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“Während im Horizontalen jener parzellierten Fläche, in den Rastern jener Untergrund- und Grundstücksverteilung die Gesamtheit weitestgehend beim Alten bleibt”, schreibt Markus Krajewski, “zeigt sich in jener Vertikalen jener Fraktur mit jener Vergangenheit umso augenfälliger.”

“Bauformen des Gewissens” nennt Markus Krajewski, jener an jener Universität Basel lehrt, sein Buch, und mit diesem Titel ist es ihm ernsthaft: Die Kachel ist zu Händen ihn ein Medium, eine “Bauform”, in jener eine Gesellschaftssystem nicht nur ihre Ansprüche, sondern wenn schon ihre Obsessionen dokumentiert. Die zu Tonware gewordenen fixen Ideen lauteten: Hygiene, sowohl im physischen wie im seelischen Sinn, Gemeingültigkeit, industrielle Produktion – und ewige Moderne. “Wer es sich nicht leisten konnte, sein Haus abzureißen und neu zu zusammensetzen, jener schlug wenigstens den Stuck oder die Werksteinfassaden ab”, berichtet Hiltrud Kier aus jener verkachelten Zeit.

Mit jener räumlichen Tiefsinn gleichwohl verschwand wenn schon die Historie: Die plane, glatte Oberfläche ließ keine Ornamente, keine Sockel, keine Erker zu, oft nicht einmal Laibungen zu Händen die Fenster, und wenn es ausnahmsweise Balkons gab, wirkten sie, denn hätte man sie an die Fassade geklebt. Und damit nicht genug: In den Häusern, in den Wohnräumen, setzte sich dies Vision jener unbegrenzten Abwaschbarkeit fort, nicht nur in den Badezimmern und in den Küchen, sondern wenn schon an Möbeln und anderen Einrichtungsgegenständen, deren fugenlose Oberflächen aus Hartlack und Kunststoffauflagen bestanden. Befleckte Seelen sollte es in solcher Umgebung nicht mehr schenken.

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Die Bilder im Buch schildern eine Stadt, die sich dieser Idee offenbar mit besonderer Inbrunst widmete, nämlich Köln. Christian Werners Fotografien gerecht werden solche Lehrstoff präzise und zweckmäßig, ohne vereinigen Willen zur Entlarvung. Die historischer Stadtteil war in den Bombardements jener Royal Air Force zu neunzig von Hundert zerstört worden, in den Vorstädten waren drei Viertel jener Bauten in Trümmer und Schlacke versunken. Denn die Trümmer abgeräumt worden waren, blieben Flächen zurück, gen denen sich wenn schon die Einheimischen nicht mehr zurechtfanden, die gleichwohl trotz jemandem gehörten, in genau umrissenen und im Kataster eingetragenen Säumen. Durch vereinigen Teil des Terrains wurden die mehrspurigen Straßen gezogen, die “Nord-Süd-Reise” zum Denkweise, in denen dies Vision jener “autogerechten Stadt” verwirklicht wurde. Doch die meisten Bauten, die gen diesen leeren Arealen entstanden, sind überbaute, versiegelte Historie, die eine völlige Fehlen des architektonischen Gedächtnisses gen historischem Terrain inszenieren.

Weil sich in jener Kachel nicht nur ein bauliches, sondern wenn schon ein sittliches Sendung verbirgt, wird ihr nicht erst jener Zerfall, sondern schon jener Schmutz zum Problem. Basta ihm geht keine Patina hervor, nur Schäbigkeit. Noch schlimmer ist es, wenn Kacheln zerbrechen. Dann ist wenn schon ihr Anspruch gen Undurchdringlichkeit und Zeitlosigkeit gebrochen. Und stürzen sie schließlich von jener Wand, zum Denkweise, weil jener Speis in den Fugen verwittert und Nässe hinter die Kachel vordringt, so hilft nur wenig: Ihre ursprüngliche Schuldlosigkeit hat sich in vereinigen einzigen Schandfleck verwandelt, den niemand mehr erhalten will, jener gleichwohl, beständig, wie er ist, trivial stillstehen bleibt – es sei denn, man könnte ihn in seine ursprüngliche Schuldlosigkeit zurückversetzen. Manchmal geschieht so irgendetwas. Denn wenn schon die verkachelte Republik ist längst, ihrem Anspruch gen unendliche Dauer zum Widerwille, zu einem Gegenstand zu Händen Denkmalpfleger geworden, genauso, wie es mit allen Spielarten des Designs, den jüngeren und den alten, geschieht.

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